Astronauten zum Anfassen

Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz

23.01.2010 Wilhelm Ruprecht Frieling

In Morgenröthe-Rautenkranz, einer 900-Seelen-Gemeinde im sächsischen Teil des Erzgebirges, befindet sich das einzige reine Raumfahrt-Museum Deutschlands.

Morgenröthe-Rautenkranz ist Fernsehzuschauern als Kältepol Deutschlands bekannt. Hier befindet sich eine der Wetterstationen von Jörg Kachelmann. Die Region zählt zu den schneesichersten Gebieten deutscher Mittelgebirge. Ein umfangreiches Loipensystem und herrliche Winterwanderwege bieten vielfältige Möglichkeiten für aktive Erholung. Wirklich berühmt wurde der Ort aber durch seinen prominentesten Spross: den Raumfahrer Sigmund Jähn.

Der erste Deutsche im All

Der am 13. Februar 1937 in Rautenkranz geborene Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. Am 26. August 1978 flog der DDR-Kosmonaut mit dem Raumschiff Sojus 31 unter dem sowjetischen Kommandanten Waleri Bykowski als Besuchsmannschaft zur Raumstation Salut 6. Nach knapp sechs Tagen landete er am 3. September mit der Sojus-29-Kapsel wohlbehalten in der kasachischen Steppe.

Geschichte des Raumfahrtmuseums

Zur Erinnerung an das „feste Bündnis“ zwischen der UdSSR und der DDR, das der gemeinsame Raumflug dokumentierte, wurde im Oktober 1979 im ehemaligen Bahnhof von Rautenkranz eine kleine Raumfahrtausstellung eingerichtet, die in erster Linie politische Bildungsziele verfolgte. In den zehn Jahren bis zur Wende zog sie immerhin 650.000 Besucher an.

Am 27. März 2007 wurde die jetzige Deutsche Raumfahrtausstellung in einem neu errichteten Komplex eröffnet. Auf einer Fläche von 950 Quadratmetern sind inzwischen mehr als 1000 Exponate zu sehen, und im Außengelände des Museums befindet sich ein Planetenpark. Themenausstellungen begleiten die ständige Schau, soeben wurde eine Star-Trek-Fan-Ausstellung eröffnet.

Satelliten, Sonden und Stationen

In der Raumfahrtausstellung sind verschiedene naturgetreue Modelle teilweise auch von innen zu besichtigen. Die im Dezember 1974 gestartete Sonde Helios 1 wurde als deutsch-amerikanische Gemeinschaftsarbeit ins All gebracht. Sie diente der Erforschung des sonnennäheren interplanetaren Raumes und der Sonne. Für Deutschland, das die Sonden und sieben der zehn Instrumente baute, war es die erste Beteiligung an einer Raumfahrtmission.

Ein anderes Exponat, der Satellit Symphonie, wurde als deutsch-französischer Nachrichtensatellit am 19. Dezember 1974 als erster westeuropäischer Nachrichtensatellit von einer amerikanischen Trägerrakete in eine geostationäre Umlaufbahn gebracht und dort zehn Jahre lang betrieben. Einblick in ein Leben auf engsten Raum gewährt das Trainingsmodul des Basisblocks der Raumstation MIR, in dem viele europäische Raumfahrer die erste Stufe ihrer Ausbildung absolviert haben.

Geschichte der Raumfahrt

Ausführlich wird in der Ausstellung die Geschichte der Raumfahrt geschildert. Von dem Einsatz chinesischer Raketen vor mehr als eintausend Jahren über die erste Rakete Europas, die 1555 im rumänischen Sibiu zündete, bis zum ersten Menschen im Weltraum war ein weiter Weg. Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler und Isaac Newton waren ebenso Wegbereiter wie Konstantin E. Ziolkowski, Robert H. Goddard und Hermann Oberth.

Eng verbunden mit der Entwicklung gewaltiger Raketen ist Wernher von Braun, der in Peenemünde für die Nazis die A4 entwickelte. Bereits 1942 wurden Flughöhen von über 80 km erreicht. 1945 stieß die V2 mit 120 km Flughöhe ins Weltall vor.

Erbeutete V2-Raketen starteten 1948 von amerikanischem Boden aus, von Braun entwickelte sie weiter zur Redstone-Rakete, einer ballistischen Mittelstreckenrakete, die später zum Start von Mercury-Raumkapseln eingesetzt wurde. Auch die UdSSR baute die V2 nach, die in mehreren Abwandlungen heute noch als „Sojus“ erfolgreich im Einsatz ist.

Der Mensch im All

Es galt als größte Herausforderung, einen Menschen ins All zu bringen, da Maschinen allein außerstande waren, komplexe Forschungsaufgaben zu erledigen. Juri Gagarin flog am 12. April 1961 als erster Mensch in den Weltraum. 108 Minuten dauerte sein Flug an Bord von Wostok 1. Den Wettlauf zum Mond gewannen schließlich die Amerikaner. Am 21. Juli 1969 setzte Neil Armstrong (Apollo 11) als erster Menschen seinen Fuß auf den Erdtrabanten.

Raketen, Raumfähren und Raumstationen

In der Entwicklung der Eroberung des Alls trat schließlich der Bau von Raumstationen in den Vordergrund, die mittels Raumfähren wie dem Space Shuttle versorgt wurden. DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn flog am 26. August 1978 mit Sojus 31 zur Raumstation Salut 6 und lebte dort einige Tage. Damit war erstmals auch ein Deutscher in die Weiten des Weltraums vorgedrungen.

In der Ausstellung wird neben vielen technischen Gerätschaften auch die Entwicklung der Raumanzüge gezeigt. Neben Originalkleidung und Forschungsgeräten gibt es auch viele Exponate, die vom alltäglichen Leben in der Schwerelosigkeit berichten und zeigen, wie die Ergebnisse der Flüge in Medizin, Biologie, Industrie und im täglichen Gebrauch genutzt werden. Diese Anzüge mussten sowohl einem Leben in Schwerelosigkeit angepasst sein als auch genügend Schutz beim Verlassen der Stationen im All bieten.

Hauptsächlich werden im Museum die Flüge mit deutschen Astronauten und Kosmonauten dokumentiert. Natürlich wird dabei der erfolgreiche Flug des aus Morgenröthe-Rautenkranz stammenden Jähn besonders hervorgehoben. In einem dem Museum angeschlossenen Kino wird das Leben in einer Raumstation gezeigt.

Deutsche Raumfahrtausstellung

Bahnhofstraße 4

D-08262 Morgenröthe-Rautenkranz

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Blick in die Ausstellungshalle, Wilhelm Ruprecht Frieling Blick in die Ausstellungshalle
Trainingsmodul der Raumstation MIR, Wilhelm Ruprecht Frieling Trainingsmodul der Raumstation MIR
 
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